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Fahrrad & E-Bike

Bosch Neuheiten 2027: Nabenmotor, neue Akkus, neues Display

Sebastian Schrecker · 11. September 2026 · 5 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze.

  • Hub Line ist der erste Nabenmotor von Bosch: 45 Nm, bis 400 Watt Spitze, rund 2,3 Kilo, für leichte Stadträder
  • Active Line Plus komplett neu: bis 60 Nm, 600 Watt, 340 Prozent Unterstützung, rund 500 Gramm leichter
  • Zwei neue Akkus: PowerTube 360 mit 2,1 Kilo und PowerTube 720 als Zwischengröße zwischen 600 und 800
  • Intuvia 200 sitzt fest am Lenker, der neue LED Controller ersetzt die LED Remote und lässt sich nachrüsten
  • Certified by Bosch legt beim Gebrauchtkauf Ladezyklen, Restkapazität und Kilometerstand offen
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Für 2027 hat Bosch im Touring- und Citybereich nachgelegt, und ein Punkt davon ist eine echte Premiere: Hub Line, der erste Nabenmotor der Firmengeschichte. Dazu kommen zwei neue Akkus (PowerTube 360 und PowerTube 720), eine komplett überarbeitete Active Line Plus, das Display Intuvia 200, der neue LED Controller als Nachfolger der LED Remote, ein besser integriertes ConnectModule und ein digitales Zertifikat für gebrauchte E-Bikes. Das meiste davon zielt auf leichte, unauffällige Stadträder und auf günstigere Preispunkte. Hier der Überblick, mit den Zahlen und mit dem, was noch offen ist.

Hub Line: der erste Nabenmotor von Bosch

Die Hub Line sitzt direkt in der Hinterradnabe statt am Tretlager. Nach Jahren mit ausschließlich Mittelmotoren ist das ein Bruch mit der eigenen Linie. Überraschend kam das schon. Die Eckdaten: 45 Newtonmeter Drehmoment, bis zu 400 Watt Spitzenleistung, 250 Watt Nenndauerleistung und rund 2,3 Kilo Motorgewicht bei etwa 100 Millimetern Durchmesser.

Der Punkt ist die Optik, nicht die Kraft. Ein Nabenmotor verschwindet im Laufrad, das Rad behält die Silhouette eines normalen Fahrrads, kein Klotz am Tretlager. Genau das wollen viele Kunden bei eleganten Stadträdern. Über 25 km/h koppelt der Motor sich vom Hinterrad ab, du trittst also ohne nennenswerten Widerstand weiter. Kompatibel ist er mit Kettenschaltung genauso wie mit Nabenschaltung und Riemen.

45 Newtonmeter sind für Bosch-Verhältnisse wenig, eine Performance Line CX liegt deutlich darüber. In der Ebene und bei leichten Steigungen reicht das trotzdem locker, am Berg mit Gepäck wird es dünner. Und ehrlich gesagt muss sich der Antrieb im Alltag erst noch beweisen: Nabenmotoren haben gegenüber Mittelmotoren fahrdynamische Nachteile, gerade beim Anfahren am Hang. Wie sich das anfühlt, entscheidet die Probefahrt, nicht das Datenblatt.

Active Line Plus: mehr Drehmoment bei weniger Gewicht

Der City-Mittelmotor wurde nach fast zehn Jahren komplett neu aufgelegt. Bosch nennt bis zu 60 Newtonmeter, 600 Watt Leistung und bis zu 340 Prozent Unterstützung. Das Gehäuse ist neu, teils aus recycelten Materialien. Und er wiegt jetzt rund 2,7 Kilo, also etwa 500 Gramm weniger als der Vorgänger.

Der Name bleibt gleich, die Technik darunter nicht. Was bleibt, ist der leise Lauf, für den die Active Line Plus schon immer bekannt war. Neu ist eine Variante für Räder mit Rücktrittbremse, was für klassische Citybikes durchaus etwas bringt. Für den Alltagsweg und moderate Touren passt das Paket. Wer regelmäßig steile Anstiege fährt, greift weiter zur stärkeren Baureihe.

PowerTube 360 und PowerTube 720: zwei neue Akkus an beiden Enden

Bosch erweitert das Akkuprogramm nach unten und in die Mitte. Der PowerTube 360 ist der bislang schlankste Intube-Akku im Smart System: 360 Wattstunden, rund 2,1 Kilo, etwa 68 Millimeter Durchmesser. Gedacht ist er für die leichten Systeme. Zusammen mit der Hub Line gibt Bosch im Eco-Modus rund 80 Kilometer an.

Der PowerTube 720 füllt die Lücke zwischen dem 600er und dem 800er. 720 Wattstunden bei etwa 3,9 Kilo, und er passt in dieselbe Aufnahme wie 360, 540, 600 und 800, sofern der Rahmenhersteller das vorgesehen hat. Bosch nennt bis zu 185 Kilometer Reichweite, gerechnet mit einem Trekking-E-Bike im Eco-Modus. Solche Angaben sind Laborwerte, in der Praxis ziehen Steigungen, Kälte, Zuladung und Unterstützungsstufe kräftig davon ab.

Sind wir mal ehrlich: Für dich als Fahrer ist der 720er kein Quantensprung. Er wiegt praktisch so viel wie der 800er und kommt weniger weit. Sein Vorteil liegt im Preis, deshalb wird er vor allem in Rädern unterhalb der Topmodelle auftauchen. Wer bisher zum 600er gegriffen hat, bekommt für wenig Aufpreis 120 Wattstunden mehr. Passend dazu kommt ein neues 12A-Schnellladegerät mit GaN-Technik, das mit rund 500 Watt lädt und damit deutlich flotter ist als die bisherigen Lader.

Intuvia 200 und LED Controller: Display und Bedienung neu

Das Intuvia 200 ist ein fest montiertes Display mit 2,4 Zoll Diagonale und Graustufenanzeige. Bis zu 1.000 Nits Helligkeit und eine automatische Helligkeitsregelung sorgen dafür, dass du es auch bei praller Sonne ablesen kannst. Ein Haken bleibt. Abnehmen kannst du es nicht mehr, anders als beim alten Intuvia.

Spannender im Alltag ist die neue Bedieneinheit. Der LED Controller löst die bisherige LED Remote ab und fällt deutlich kompakter aus, die Ergonomie hat Bosch sich wieder von SQlab beraten lassen. Wichtig für Bestandsräder: Das Teil funktioniert im gesamten Smart System, du kannst es also nachrüsten, wenn dir die große Remote am Lenker zu klobig ist.

ConnectModule: bessere Ortung im Keller und Platz am Rahmen

Das ConnectModule bleibt äußerlich fast gleich, hat aber an drei Stellen zugelegt. Der interne Stützakku, der das Modul bei ausgeschaltetem Rad am Laufen hält, lässt sich jetzt wechseln statt komplett zu ersetzen. Dazu kommt Bluetooth Low Energy, also eine Funkverbindung auf kurze Distanz, die dich im Nahbereich zum Rad führt. Das löst ein echtes Problem: Steht das Rad im Keller oder in der Tiefgarage, kommt kein GPS-Signal durch, und bisher endete die Suche genau da.

Der dritte Punkt ist die Rahmenmontage. Hersteller können ab 2027 eine eigene Aufnahme samt Kabeldurchführung vorsehen, das Modul sitzt dann sauber am Rahmen statt irgendwo festgeschnallt. Dass ein Dieb es sieht, ist Absicht. Bosch macht kein Geheimnis daraus, dass sich Diebstahl technisch nicht verhindern lässt. Das Ziel ist, dem Dieb so viel Ärger zu machen, dass er lieber das Rad daneben nimmt: Beim Abhebeln geht der Alarm los, du bekommst eine Meldung aufs Handy, und ein als gestohlen gemeldetes Rad lässt sich per Antriebssperre praktisch unbrauchbar machen. Ein 30 Kilo schweres E-Bike ohne Motor schiebt sich eben schlecht.

Certified by Bosch: digitales Zeugnis für gebrauchte E-Bikes

Certified by Bosch ist ein digitales Zertifikat, das den Zustand von Akku und Motor eines gebrauchten E-Bikes offenlegt. Drin stehen Ladezyklen, Restkapazität, gefahrene Kilometer und wie stark das System beansprucht wurde, dazu eine Sternebewertung. Bosch bestätigt außerdem, dass das Rad nicht als gestohlen gemeldet ist und keine Hinweise auf Tuning vorliegen. Geprüft wird per QR-Code.

Für den Gebrauchtmarkt ist das der wichtigste Punkt der ganzen Neuheiten. Bisher hast du beim Gebrauchtkauf raten müssen, wie viel Leben im Akku noch steckt. Genau diese Unsicherheit hat viele vom Gebrauchtkauf abgehalten. Erster Partner ist der Refurbishment-Anbieter Rebike, dort laufen aufbereitete Räder mit Bosch-Antrieb seit Juli mit Zertifikat. Endlich harte Zahlen statt Bauchgefühl.

Helm und Brille: was vernetzt sonst noch heißt

Zwei Zubehörteile zeigen, wohin die Vernetzung läuft. Das eine ist ein Helm, dessen Beleuchtung mit dem Rad gekoppelt ist. Schaltest du das Licht am E-Bike ein, geht das Licht am Helm mit an, und beim Bremsen leuchtet das Rücklicht am Helm heller. Klingt nach Spielerei, ist aber praktisch, weil man das Helmlicht sonst regelmäßig vergisst.

Nebenbei: Am E-Bike kostet Dauerlicht so wenig Strom, dass du es getrost immer anlassen kannst. Sichtbar sein bringt mehr als die paar Kilometer Reichweite.

Das zweite Teil ist eine Sonnenbrille mit integriertem Display, die dir Trittfrequenz, Geschwindigkeit und Akkustand direkt ins Sichtfeld legt, so wie ein Head-up-Display im Auto. Wer sonst ständig aufs Lenkerdisplay schaut, behält damit die Straße im Blick. Gewöhnungsbedürftig ist es trotzdem, optisch wie beim Tragen. Ein interessanter Ausblick, mehr aber auch noch nicht.

Was die Neuheiten für deinen nächsten Radkauf heißen

Der spannendste Punkt ist nicht der stärkste Motor, sondern der günstigste. Hub Line plus PowerTube 360 ergibt ein leichtes, schlankes System, mit dem Hersteller E-Bikes in einer Preisklasse bauen können, in der bisher wenig mit Bosch-Antrieb zu holen war. Wenn du ein unauffälliges Stadtrad willst und keine Berge fährst, lohnt das Warten auf diese Modelle. Wie sich das Gewicht am Rad verteilt und was ein leichter Rahmen zusätzlich bringt, haben wir im Vergleich Carbon oder Alu am E-Bike aufgeschrieben.

Fährst du dagegen Touren mit Gepäck oder wohnst am Hang, bleibt der Mittelmotor die richtige Wahl, dann eher die überarbeitete Active Line Plus oder gleich eine Nummer größer. Und wenn du ohnehin über ein gebrauchtes Rad nachdenkst, achte ab jetzt auf das Zertifikat, das spart dir die Diskussion über den Akkuzustand. Auch beim Tiefeinsteiger lohnt sich der Blick auf die neuen Systeme, weil sie genau in diese Kategorie passen. Wer sich für weitere Neuheiten der Saison interessiert: Auch bei Schlössern und Helmen hat sich einiges getan.

Komm einfach vorbei, sobald die ersten Räder mit den neuen Systemen bei uns stehen. Probefahren schlägt Datenblatt, jedes Mal.

FAQ

Welche Bosch Neuheiten kommen 2027?

Bosch bringt für 2027 den ersten eigenen Nabenmotor Hub Line, eine komplett überarbeitete Active Line Plus, die beiden Akkus PowerTube 360 und PowerTube 720, das Display Intuvia 200, den LED Controller als Nachfolger der LED Remote sowie ein verbessertes ConnectModule mit Rahmenmontage. Dazu kommt das digitale Gebrauchtzertifikat Certified by Bosch und ein schnelleres Ladegerät.

Wie stark ist der Bosch Hub Line Nabenmotor?

Die Hub Line liefert 45 Newtonmeter Drehmoment und bis zu 400 Watt Spitzenleistung bei 250 Watt Nenndauerleistung. Der Motor wiegt rund 2,3 Kilo und misst etwa 100 Millimeter im Durchmesser. Für flaches bis leicht hügeliges Gelände reicht das gut, an steilen Anstiegen mit Gepäck bleibt ein kräftiger Mittelmotor die bessere Wahl.

Welche Nachteile hat ein Nabenmotor beim E-Bike?

Ein Nabenmotor sitzt im Hinterrad und arbeitet unabhängig von der Schaltung. Am Berg fehlt ihm dadurch die Übersetzung, die ein Mittelmotor nutzen kann, weshalb er bei steilen Anstiegen und hoher Zuladung früher an die Grenze kommt. Dafür fällt er optisch kaum auf, belastet Kette und Ritzel nicht und braucht weniger Wartung am Antrieb.

Wie viel Reichweite bringt der PowerTube 720?

Bosch nennt bis zu 185 Kilometer, gerechnet mit einem Trekking-E-Bike im Eco-Modus. Das ist ein Laborwert unter Idealbedingungen. Im Alltag ziehen Höhenmeter, Kälte, Zuladung, Reifendruck und eine höhere Unterstützungsstufe deutlich davon ab. Realistisch liegst du je nach Strecke und Fahrweise spürbar darunter.

Was bringt Certified by Bosch beim Gebrauchtkauf?

Das digitale Zertifikat zeigt den Zustand von Akku und Motor: Ladezyklen, Restkapazität, gefahrene Kilometer und die bisherige Beanspruchung, dazu eine Sternebewertung. Bosch bestätigt außerdem, dass das Rad nicht als gestohlen gemeldet ist und keine Tuning-Hinweise vorliegen. Geprüft wird per QR-Code. Damit ersetzt du Bauchgefühl durch Zahlen.

Sebastian Schrecker
Über den Autor
Sebastian Schrecker
vit:bikes YouTube-Kanal

Das Gesicht des vit:bikes YouTube-Kanals und leidenschaftlicher Mountainbiker. Immer am Puls der Fahrrad- und E-Bike-Welt — wenn es Neuigkeiten zu Bikes, Motoren oder Antrieben gibt, weiß er meist schon Bescheid.

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Sobald die ersten Räder mit Hub Line und der neuen Active Line Plus bei uns stehen, kannst du sie an unseren Standorten probefahren. Wir sagen dir ehrlich, ob das System zu deiner Strecke passt.

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