Skip to content
Werkstatt

Fahrradreifen wechseln: die Schritt-für-Schritt-Anleitung

vit:bikes Team · 21. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze.

  • Der entscheidende Handgriff: den Reifen ins Felgenbett drücken, die Vertiefung in der Felgenmitte. Damit gehen Ab- und Aufziehen mit wenig Kraft.
  • Werkzeug: zwei Reifenheber, eine Pumpe, dazu neuer Schlauch oder Reifen. Montagehandschuhe sind angenehm, aber kein Muss.
  • Luft komplett raus, Reifen ins Felgenbett, mit dem Reifenheber gegenüber vom Ventil ansetzen und eine Seite herumziehen.
  • Beim Aufpumpen langsam in Stufen vorgehen. Die Kontrolllinie auf der Reifenflanke zeigt, ob der Reifen rundum gleichmäßig sitzt.
  • Zähe Reifen, die nicht in die Felge springen: Silikonspray oder Montagepaste als Gleithilfe. Bremsscheibe dabei sauber abdecken.
Video abspielen

Einen Fahrradreifen wechseln kann jeder selbst. Du brauchst dafür keine Werkstatt und kein teures Spezialwerkzeug, sondern zwei Reifenheber, einen passenden Schlauch oder Reifen, eine Pumpe und etwas Geduld. Der ganze Trick steckt an einer Stelle: dem Felgenbett. Wer den Reifen dort hineinbekommt, zieht ihn mit wenig Kraft ab und wieder auf. Wer das nicht macht, kämpft. Hier bekommst du den kompletten Ablauf, von der Luft rauslassen bis zum fertig aufgepumpten Rad, und den Handgriff für die zähen Reifen, die einfach nicht wollen.

Was du zum Reifenwechsel brauchst

Die Ausrüstung ist überschaubar und kostet zusammen weniger als ein Werkstatttermin. Für einen normalen Wechsel reicht:

  • Zwei Reifenheber. Ein Reifenheber ist ein flacher Kunststoffhebel, mit dem du den Reifenwulst über den Felgenrand ziehst. Mit zwei Stück geht es leichter, ein geübter Griff schafft es oft auch mit einem.
  • Eine Luftpumpe mit dem passenden Ventilkopf. Standpumpe mit Manometer ist am angenehmsten, weil du den Druck ablesen kannst.
  • Der neue Reifen oder Schlauch. Bei einem Platten oft nur der Schlauch, bei abgefahrenem Profil der Reifen gleich mit.
  • Montagehandschuhe. Kein Muss, aber angenehm. Sie schützen die Finger vorm Einzwicken und geben Grip, wenn du am Wulst ziehst. Dünne Handschuhe reichen, dicke Lederhandschuhe nehmen dir das Gefühl.

Als Notfallhelfer für schwierige Fälle noch Silikonspray oder Montagepaste. Dazu weiter unten mehr, gebraucht wird das nicht immer.

Warum manche Reifen leichter runtergehen als andere

Wie zäh ein Wechsel wird, hängt vor allem von der Kombination aus Reifen und Felge ab, nicht von deinem Geschick. Sind wir ehrlich: Die eine Methode, mit der immer alles flutscht, gibt es nicht. Breite Felgen mit dicken, straffen Reifen können richtig widerspenstig sein, da geht dir schon mal die Fingerkraft aus. Andere Kombinationen ploppen fast von allein rein und raus. Neue Reifen sitzen oft strammer als eingefahrene, weil sich das Material erst mit der Zeit etwas setzt.

Das Prinzip bleibt aber bei jeder Felge und jedem Reifen gleich. Es lohnt sich also, den Ablauf einmal sauber zu lernen. Beim nächsten Platten am Straßenrand zahlt sich das aus.

Fahrradreifen demontieren: Schritt für Schritt

Beim Abziehen entscheidet ein einziger Handgriff über leicht oder mühsam: der Reifen muss ins Felgenbett. Das Felgenbett ist die Vertiefung in der Mitte der Felge, und die gibt dem Reifen genau den Spielraum, den du zum Abziehen brauchst.

Luft komplett rauslassen

Lass die Luft vollständig ab. Öffne dazu das Ventil, drück noch mal drauf und rolle den Reifen einmal durch, damit auch der letzte Rest entweicht. Danach das Ventil wieder zudrehen. Das klingt umständlich, hat aber einen Grund: Bei einem französischen Ventil, dem dünnen Presta-Ventil, hängt ein feiner Stift heraus, und der verbiegt sich leicht, wenn er beim Hantieren offen bleibt. Also sicherheitshalber zu. Wenn du auch den Schlauch tauschst, dreh die kleine Rändelmutter am Ventil ganz ab.

Den Reifen ins Felgenbett drücken

Jetzt der wichtigste Schritt. Drück den Reifen rundum aus dem Felgenhorn nach innen in die Mitte, also aus dem äußeren Rand, wo er im gefahrenen Zustand festsitzt, hinein ins Felgenbett. Mach das einmal komplett auf einer Seite herum. Das kann zäh sein, gerade wenn der Reifen schon eine Weile drauf ist und richtig klebt. Ruhig mit ordentlich Druck arbeiten. Du merkst, dass es passt, wenn zwischen Reifen und Felgenrand ein kleiner Spalt entsteht. Genau der ist das Spiel, das dir den Rest leicht macht.

Mit dem Reifenheber abziehen

Setz den Reifenheber unter den Wulst und heble ihn über den Felgenrand. Es gibt zwei Philosophien, direkt am Ventil anzusetzen oder auf der gegenüberliegenden Seite. Gegenüber vom Ventil hast du meist mehr Spiel, das macht den Anfang einfacher. Viele Reifenheber lassen sich am unteren Ende in eine Speiche einhängen, dann bleibt der Wulst über der Kante und rutscht dir nicht zurück in die Felge. Mit einem zweiten Heber arbeitest du dich ein Stück weiter und ziehst dann eine ganze Seite in einem Rutsch herum.

Schlauch und zweite Seite raus

Ist eine Reifenseite über der Felge, drück das Ventil nach innen durch und zieh den Schlauch heraus. Für die zweite Reifenseite schiebst du den Reifen wieder in die Felgenmitte und ziehst ihn über die Kante ab, bei manchen Kombinationen mit dem Finger, bei zäheren noch einmal mit dem Reifenheber. Fertig, der Reifen ist runter.

Felgenband prüfen, bevor der neue Reifen drauf kommt

Wenn der Reifen ab ist, schau dir das Felgenband an. Das Felgenband liegt im Felgenbett und schützt den Schlauch vor den Speichennippeln, die sonst ins Gummi drücken und einen Platten verursachen. Prüf, ob es unbeschädigt und an seiner Position sitzt, nichts eingerissen, nichts umgeklappt. Ist etwas nicht in Ordnung, tausch es aus, das kostet wenig und erspart dir den nächsten Plattfuß.

Zwei Sorten kommen dir dabei unter. Ein Tubeless-Band ist geklebt, schließt die Felge komplett ab und kann nicht verrutschen. Das brauchst du, wenn du ohne Schlauch fährst, also tubeless. Ein klassisches Felgenband für den Schlauchbetrieb ist ein eingelegter Ring, der sich verschieben lässt. Gerade beim Tubeless-Band gilt: sitzt es nicht sauber und dicht, hält der Reifen die Luft nicht.

Fahrradreifen aufziehen: Schritt für Schritt

Beim Aufziehen läuft der Ablauf rückwärts, mit einem entscheidenden Punkt am Ende. Auch hier gilt wieder: Reifen ins Felgenbett, dann geht die zähe letzte Seite über die Kante.

Laufrichtung checken

Bevor der Reifen drauf kommt, prüf die Laufrichtung. Viele Reifen dürfen nur in eine Richtung laufen, weil ihr Profil darauf ausgelegt ist. Woran du das erkennst: Entweder zeigt das Profil sichtbar in eine Richtung, oder auf der Reifenflanke steht der Hinweis mit einem Pfeil, oft als „Rotation“ beschriftet. Montier den Reifen so, dass der Pfeil in Fahrtrichtung zeigt. Hat der Reifen ein gleichmäßiges, gerades Profil ohne Pfeil, ist die Richtung egal. Einen Faltreifen, also einen mit flexiblem Kern statt Draht, faltest du vorher einmal auf und lässt ihn kurz seine runde Form annehmen.

Erste Reifenseite und Schlauch einlegen

Zieh eine Reifenseite komplett über die Felge, das geht meist noch mit der Hand. Dann pump den neuen Schlauch ganz leicht auf, nur so viel, dass er seine Form bekommt und sich in den Reifen legt. Knallvoll darf er nicht sein. Der leichte Druck sorgt dafür, dass er sich nicht einzwickt. Führ das Ventil durch das Ventilloch. Wichtig: Das Ventil soll gerade stehen, im rechten Winkel zur Felge, nicht schief. Richte den Schlauch aus, falls es hakt. Die Rändelmutter am Ventil drehst du nur ganz leicht an, sodass das Ventil nicht rausrutscht, aber noch Spiel hat.

Die zweite Seite über die Felge

Jetzt kommt die zähe Phase. Fang am Ventil an und drück die zweite Reifenseite Stück für Stück über die Felge. Achte die ganze Zeit darauf, dass der Schlauch komplett im Reifen liegt und nirgends zwischen Wulst und Felge klemmt. Sitzt er dazwischen, zerreißt es ihn beim Aufpumpen. Das letzte Stück wird richtig zäh. Drück den Reifen mit dem Handballen nach hinten in die Felgenmitte und massier den Wulst über die Kante. Geht es partout nicht, sitzt der Reifen meist wieder aus dem Felgenbett gerutscht, dann drück ihn rundum erneut in die Mitte und arbeite nach. Zum Schluss noch mal komplett kontrollieren, dass nirgends Schlauch unter dem Wulst hängt, auf beiden Seiten.

Aufpumpen, bis der Reifen sitzt

Pump langsam und in Stufen auf, nicht in einem Rutsch auf vollen Druck. Geh schrittweise vor, tasten dich Bar für Bar heran. Der Reifen setzt sich dabei mit einem hörbaren Ploppen in die Felge, das ist normal und soll so sein. Wenn du den Enddruck mit einem Schlag reinjagst, springt der Wulst schlecht in seine Position und der Knall wird unnötig laut.

Ob der Reifen rundum richtig sitzt, verrät dir die Kontrolllinie. Das ist die umlaufende Linie knapp oberhalb des Felgenrands auf der Reifenflanke. Läuft sie überall gleichmäßig und parallel zur Felge, sitzt der Reifen. Verschwindet sie an einer Stelle hinter der Felge oder wandert ungleichmäßig, sitzt der Wulst dort noch nicht. Dann Luft raus, nacharbeiten, neu aufpumpen. Den richtigen Luftdruck findest du auf der Reifenflanke, dort steht der zulässige Bereich in bar. Breite Reifen fahren mit wenig Druck, schmale mit viel, feste Regel gibt es keine, es gilt der Aufdruck auf dem Reifen.

Wenn der Reifen nicht in die Felge springt

Manche Reifen wollen sich beim Aufpumpen einfach nicht setzen. Dafür gibt es eine simple Lösung: Silikonspray oder Montagepaste als Gleithilfe. Lass die Luft noch mal komplett raus und sprüh Silikonspray innen rundum in die Felge, auf beiden Seiten. Danach wieder langsam aufpumpen, und der Wulst rutscht deutlich leichter in seine Position.

Ein Punkt ist dabei nicht verhandelbar: Halte die Bremsscheibe frei von Spray. Deck sie vorher sauber ab. Kommt Silikon auf die Bremsscheibe, ist die Bremswirkung dahin, und das bekommst du nur mit Mühe wieder sauber. Wer den Reifen ohnehin neu aufzieht, kann statt Spray auch Montagepaste nehmen, die gleiche, die es für Autoreifen gibt. Die schmierst du vor der Montage auf den Wulst, dann springt der Reifen beim Aufpumpen zuverlässig in die Felge.

Rundlauf prüfen und fertig

Zum Abschluss den Rundlauf kontrollieren. Dreh das Laufrad kräftig durch und schau von zwei Seiten drauf: Eiert der Reifen seitlich hin und her, hat er einen Seitenschlag. Hüpft er in der Höhe, ist es ein Höhenschlag. Läuft er sauber und ruhig, hast du alles richtig gemacht. Dann noch die Rändelmutter am Ventil handfest andrehen, nur handwarm, nicht mit Gewalt, das Ventil zudrehen und die Staubkappe drauf. Stell den Luftdruck ein, den du fahren willst, und das war es.

FAQ

Kann man einen Fahrradreifen selbst wechseln?

Ja, das lässt sich problemlos selbst machen. Du brauchst zwei Reifenheber, eine Pumpe und je nach Fall einen neuen Schlauch oder Reifen. Der wichtigste Handgriff ist, den Reifen ins Felgenbett zu drücken, also in die Vertiefung in der Felgenmitte. Damit geht das Abziehen und Aufziehen mit wenig Kraft. Etwas Übung braucht es, aber Spezialkenntnisse nicht.

Wie bekomme ich den Fahrradreifen von der Felge?

Erst die Luft komplett rauslassen. Dann den Reifen rundum aus dem äußeren Felgenhorn nach innen ins Felgenbett drücken, die Vertiefung in der Mitte. Das schafft den Spielraum, den du brauchst. Anschließend mit dem Reifenheber unter den Wulst gehen und ihn über den Felgenrand hebeln, am besten gegenüber vom Ventil beginnen. Eine Seite herumziehen, dann ist der Reifen offen.

Kann ich den Fahrradschlauch ohne Radausbau wechseln?

Oft geht das, vor allem am Vorderrad. Solange du an das Ventil und rundum an den Reifen kommst, kannst du eine Seite abziehen, den Schlauch tauschen und wieder montieren, ohne das Laufrad aus dem Rahmen zu nehmen. Am Hinterrad mit Schaltung und Kette wird es enger, hier ist der Ausbau meist der bequemere Weg. Nötig ist er aber nicht zwingend.

Welches Werkzeug brauche ich zum Reifenwechsel?

Für den normalen Wechsel reichen zwei Reifenheber und eine Luftpumpe. Montagehandschuhe sind angenehm, aber kein Muss. Für widerspenstige Reifen-Felgen-Kombinationen hilft Silikonspray oder Montagepaste als Gleithilfe. Ein teures Spezialwerkzeug brauchst du nicht, die Grundausstattung kostet zusammen weniger als ein einziger Werkstatttermin.

Über den Autor
vit:bikes Team
vit:bikes Werkstatt

Die Mechanikerinnen und Mechaniker von vit:bikes schrauben täglich an Rädern aller Art und geben ihr Werkstattwissen in Ratgebern und im eigenen Werkstattkurs weiter.

Selber schrauben lernen?

Im vit:bikes Werkstattkurs zeigen wir dir die Handgriffe am eigenen Rad, vom Reifenwechsel bis zur Wartung.

Werkstattkurs ansehen