Hase Kettwiesel im Alltagstest: Pendeln mit dem Dreirad
Das Wichtigste in Kürze.
- Das Kettwiesel ist ein Delta-Dreirad von Hase Bikes: zwei Räder hinten, eins vorn, sehr kippsicher, mit E-Motor bis 100 Nm.
- Differential und Einzelradfederung mit 70 mm Federweg machen es kurvenstark und komfortabel, das Fahrgefühl erinnert an ein Gokart.
- Im Pendelalltag stark: an der Ampel sitzen bleiben, kaum Druckstellen dank Sitz mit Lehne, viel Aufmerksamkeit im Verkehr.
- Größte Hürden: 88 cm Breite, ab 35 kg Gewicht und ein sicherer Abstellplatz. Aufrechtes Parken spart Fläche.
- Preis ab 8.100 Euro laut Hersteller, die REHA-Versionen stehen im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen.
Mit dem Kettwiesel täglich zur Arbeit? Das klappt, und zwar besser, als die meisten erwarten. Das Hase Kettwiesel ist ein Delta-Dreirad mit zwei Rädern hinten und einem vorn, du sitzt tief in einer Art Schalensitz, ein E-Motor schiebt mit. Im Stadtverkehr fährt es sich entspannt und überraschend flott, an der Ampel bleibst du einfach sitzen, und Druckstellen am Hintern sind deutlich seltener als auf dem Sattel. Die eigentliche Hürde ist nicht das Fahren. Es ist der Platz: Das Rad ist breit, lang und will abends irgendwo sicher stehen. Wer dafür eine Lösung hat, bekommt ein Pendelrad mit sehr viel Fahrspaß. Hier steht, wie die Technik funktioniert, wo das Dreirad im Alltag glänzt und wo es nervt.
Was ist das Hase Kettwiesel?
Ein Delta-Trike ist ein Dreirad, bei dem zwei Räder hinten und eins vorn sitzen. Diese Anordnung und der tiefe Schwerpunkt machen das Kettwiesel sehr kippsicher. Die Physik gilt trotzdem: Wer mit hohem Tempo eng einlenkt, bringt auch ein Delta-Dreirad an die Kippgrenze. Gebaut wird es von Hase Bikes in Waltrop, das erste Kettwiesel entstand vor rund 30 Jahren. Aktuell heißt die Baureihe Kettwiesel ONE, mit Untenlenker, oder ONE UP, mit Obenlenker.
Viele verbinden das Rad mit der Reha, und ganz falsch ist das nicht. Für Menschen mit Einschränkungen gibt es eigene REHA-Versionen, die seit Januar 2026 im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen stehen. Das Kettwiesel ist aber kein reines Therapierad. Es lässt sich an Körpergrößen von 1,10 bis 2,00 Metern anpassen und ist als Dreirad für Erwachsene mit und ohne Einschränkungen gedacht. Ein ähnliches Vorurteil kennst du vielleicht vom Tiefeinsteiger.
Die Technik: warum sich das Dreirad wie ein Gokart fährt
Hinter dem ungewöhnlichen Aussehen steckt viel Fahrzeugtechnik, die man eher vom Auto kennt. Vier Bausteine machen den Unterschied.
Differential an der Hinterachse
Beide Hinterräder werden angetrieben. In der Kurve legt das äußere Rad aber einen längeren Weg zurück als das innere und muss sich deshalb schneller drehen. Ohne Ausgleich würden die Räder radieren, und das Rad würde stur geradeaus wollen. Das Differential gleicht die Drehzahlen aus, genau wie beim Auto. Das Ergebnis: Die Hinterräder rollen in der Kurve sauber ab, statt über den Asphalt zu radieren.
Einzelradfederung hinten
Jedes Hinterrad ist einzeln gefedert, über ein MacPherson-Fahrwerk, also das Prinzip vieler Autovorderachsen. Hubbel, Bordsteinkanten und Wurzelaufbrüche fängt jedes Rad für sich ab, auch wenn links und rechts unterschiedlich hoch sind. Der Federweg liegt bei 70 Millimetern. Die Vorspannung stellst du mit dem Bordwerkzeug auf dein Gewicht inklusive Gepäck ein, die Skala auf dem Werkzeug liefert dafür grobe Richtwerte. Das dauert beim ersten Mal ein bisschen, danach hast du ein Fully auf drei Rädern.
Motor und Schaltung
Das Kettwiesel ONE fährt mit einem Mittelmotor von Shimano mit 85 Nm, die PLUS-Versionen mit einem Bosch-Mittelmotor mit bis zu 100 Nm. Bei der Schaltung hast du die Wahl zwischen einer 5-Gang-Nabe, einer stufenlosen Nabe und einer 14-Gang-Nabe. Die elektronische 14-Gang-Variante schaltet mit dem passenden Bosch-System auf Wunsch automatisch nach deiner eingestellten Trittfrequenz, oder du schaltest per Knopf selbst. Gerade beim Anfahren an der Ampel macht das Hochschalten Gang für Gang richtig Laune. Wie viel Elektronik am Rad sinnvoll ist, steht im Beitrag zur elektronischen Schaltung.
Unten- oder Obenlenker
Beim Untenlenker liegen die Griffe seitlich neben dem Sitz, die Hände liegen locker unterhalb des Herzens, ohne dass du dich darauf abstützt. Das entlastet die Handgelenke, und du lenkst in schnellen Kurven sehr direkt. Der Obenlenker kommt von vorn wie eine Stange, fühlt sich vertrauter an und lässt sich zum Ein- und Aussteigen hochklappen. Auf langen Strecken hältst du die Arme dabei dauerhaft vor dem Körper, das ermüdet eher. Für sportliches Pendeln ist der Untenlenker die bessere Wahl. Beim Ein- und Aussteigen helfen beide Varianten: Den Obenlenker klappst du hoch, beim Untenlenker dient die Lenkeinheit als Aufstehhilfe. Welche Lösung dir mehr Halt gibt, klärst du bei einer Sitzprobe.
| Kettwiesel ONE | Wert |
|---|---|
| Motor | Shimano 85 Nm oder Bosch bis 100 Nm |
| Schaltung | 5 Gänge, stufenlos oder 14 Gänge |
| Federweg | 70 mm, hinten Einzelradaufhängung |
| Körpergröße | 1,10 bis 2,00 m |
| Max. Zuladung (Fahrer und Gepäck) | 140 kg |
| Gewicht | ab 35 kg |
| Packmaß ohne Vorderrad | 135 x 88 x 66 cm |
| Preis | ab 8.100 Euro (Herstellerangabe, Stand Oktober 2026) |
Wo das Kettwiesel beim Pendeln punktet
Am deutlichsten merkst du es an der Ampel. Du rollst heran, bremst, bleibst sitzen. Kein Absteigen, kein Fuß auf den Bordstein, kein Balancieren. Wird es grün, trittst du einfach los. Für längere Stopps am Gefälle gibt es eine Feststellbremse am Lenkergriff, die du vor dem Anfahren über den Lösehebel wieder löst. Klingt banal, verändert aber den ganzen Arbeitsweg.
Der zweite Punkt ist der Komfort. Selbst auf einem gut eingestellten Rad mit passendem Sattel und ergonomischen Griffen drückt oder zwickt es nach längerer Fahrt irgendwo. Im Schalensitz verteilt sich dein Gewicht auf Rücken und Gesäß, Sitzknochen und Handgelenke sind entlastet. Bequem wie auf dem Sofa, und das ist ausnahmsweise mal keine Übertreibung.
Und dann ist da der Fahrspaß. Tiefer Schwerpunkt, Differential, direkte Lenkung: In der Kurve fühlt sich das an wie im Gokart. Wer das einmal gefahren ist, versteht, warum auch Mountainbiker Gefallen daran finden.
Ein Erfahrungswert aus dem Pendelalltag in der Großstadt: Das Kettwiesel fällt auf. Kinder zeigen drauf, Autofahrer schauen zweimal hin. Im täglichen Stadtverkehr überholen Autos eher mit Abstand oder bleiben dahinter, statt sich knapp vorbeizudrücken. Verlass dich trotzdem nicht darauf: Innerorts schreibt die StVO beim Überholen von Radfahrenden mindestens 1,5 Meter Seitenabstand vor, eingehalten wird das nicht immer.
Wo es im Alltag hakt
Sind wir mal ehrlich, ein paar Dinge sind mit drei Rädern schlicht umständlicher.
- Breite: Mit 88 Zentimetern Breite laut Herstellerangabe ist das Kettwiesel deutlich breiter als ein Zweirad. Langsamere Radfahrer auf schmalen Radwegen zu überholen, wird damit oft schwierig. Da heißt es halt: Geduld.
- Enge Kehren: Der Wendekreis ist eng, an sehr spitzen 180-Grad-Kurven mancher Radwege musst du trotzdem mal einen halben Meter zurücksetzen. Rückwärts geht es, indem du dich mit den Füßen am Boden nach hinten schiebst. Klappt problemlos.
- Länge: Vorn ragt das Rad weit nach vorn. Fährst du gerade auf einen Ampelknopf zu, steht das Vorderrad schnell im Radweg oder auf der Fahrbahn. Schräg anfahren löst das. Nach ein paar Wochen machst du das automatisch.
- Querneigung: Auf zwei Rädern spürst du nicht, wie schief viele Radwege gebaut sind. Mit breiter Spur merkst du jede Neigung zur Seite. Anfangs irritiert das, danach weißt du ziemlich genau, wie schlecht mancher Radweg eigentlich ist.
Wohin mit dem Dreirad? Parken, Treppe, Transport
Das ist die Frage, die über Pendeln oder nicht entscheidet. Mit Garage, Carport, großem Fahrradkeller oder ebenerdigem Hausflur ist das Thema erledigt. In einer kleinen Stadtwohnung ohne sicheren Abstellplatz wird es sportlich. Ein Rad für über 8.000 Euro lässt du nachts ungern auf der Straße stehen, also muss es mit rein.
Hilfreich: Das Kettwiesel lässt sich aufrecht parken. Dazu ziehst du zuerst die Feststellbremse und hebst das Rad dann am Vorderrad an, bis es sicher auf Sitzlehne und Hinterrädern steht. So braucht es kaum Grundfläche und passt hinter eine Tür. Nebenbei kommst du in dieser Position gut an Kette und Antrieb zum Ölen und Putzen. Den Weg durch Wohnungstür und Flur musst du dir allerdings erarbeiten, mit Drehen, rückwärts Einfahren und Aufstellen. Miss deshalb vor dem Kauf Haustür, Wohnungstür und Flur aus.
Treppen gehen auch. Runter lässt du das Rad mit gezogener Bremse Stufe für Stufe ab, hoch ziehst du es. Mit mindestens 35 Kilogramm ist das bei fünf Stockwerken jeden Abend allerdings ein Training für sich. In kleine Aufzüge passt es in Fahrposition nicht, die Gesamtlänge liegt laut Hersteller bei mindestens 162 Zentimetern.
Für den Transport im Auto schiebst du den Rahmen mit dem Bordwerkzeug zusammen und klappst Lehne und Lenker um. Dann passt das Kettwiesel in einen gängigen Kombi, solange nicht zu viel Zubehör dran ist. Fürs tägliche Abstellen in der Wohnung ist das Zusammenschieben aber zu aufwendig, weil du danach jedes Mal die Länge neu einstellen musst.
Sichtbarkeit im Stadtverkehr
Du sitzt tiefer als auf einem normalen Rad, die Sitzhöhe liegt je nach Einstellung bei 52 bis 60 Zentimetern. Das wirkt auf Fotos dramatischer, als es sich anfühlt, aber neben parkenden Autos und an Einfahrten kann dich ein ausfahrender Wagen leichter übersehen. Montier deshalb eine Sicherheitsfahne am Heck, Hase empfiehlt sie für jede Fahrt. Sie bringt dein Signal auf Augenhöhe der Autofahrer, kostet wenig und ist schnell abgenommen, wenn du das Rad hochkant parkst. Dazu gehört eine gute Lichtanlage, die bei den E-Versionen vom Akku gespeist wird.
Für wen lohnt sich das Kettwiesel zum Pendeln?
Für alle, die einen sicheren Abstellplatz haben und auf dem normalen Rad mit Sattel, Händen oder Rücken kämpfen. Für alle, die Wert auf Stabilität legen, weil drei Räder an der Ampel nicht kippen. Und für alle, die einfach Lust auf etwas anderes haben, denn der Fahrspaß ist echt. Wer gesundheitlich eingeschränkt ist, sollte sich die REHA-Versionen und die Kostenübernahme durch die Krankenkasse anschauen.
Weniger gut passt es, wenn du keinen Abstellplatz hast und täglich Treppen schleppen müsstest, oder wenn dein Arbeitsweg über enge, volle Radwege führt, auf denen du ständig überholen willst. Dann bist du mit einem Zweirad schneller und entspannter unterwegs. Was du beim Kauf grundsätzlich prüfen solltest, steht in unseren Tipps zum E-Bike-Kauf.
Setz dich vor dem Kauf rein und fahr eine Runde um den Block, inklusive Kurve, Bordstein und Ampelstopp. Hase Bikes gibt es in ausgewählten vit:bikes Stores, die mit Hase Bikes zusammenarbeiten. Dort stellen wir dir Sitz, Lenker und Federung ein. Frag vorher im Store nach, ob ein Kettwiesel zur Probefahrt bereitsteht. Spätestens in der ersten Kurve weißt du, ob du ein Dreirad-Mensch bist.
FAQ
Was kostet ein Kettwiesel ONE?
Laut Hersteller startet das Kettwiesel ONE bei 8.100 Euro inklusive Mehrwertsteuer, ohne Lieferung (Stand Oktober 2026). Je nach Motor, Schaltung, Lenkervariante und Zubehör liegt der Preis darüber, Ausstattungen mit Bosch-Motor und 14-Gang-Nabe kosten spürbar mehr. Für die REHA-Versionen kann die Krankenkasse die Kosten übernehmen, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt und die Kasse den Bedarf anerkennt.
Wie schwer ist das Kettwiesel ONE?
Das Kettwiesel ONE wiegt ab etwa 35 Kilogramm, je nach Motor, Akku und Zubehör auch etwas mehr. Fahrer und Gepäck dürfen zusammen höchstens 140 Kilogramm wiegen. Im Alltag heißt das: Ebenerdig abstellen ist kein Problem, täglich mehrere Stockwerke tragen ist anstrengend. Für den Transport lässt sich der Rahmen zusammenschieben, dann passt das Dreirad in einen gängigen Kombi.
Wo werden Hase Bikes hergestellt?
Hase Bikes hat seinen Sitz in Waltrop im Ruhrgebiet, auf dem Gelände der denkmalgeschützten Zeche Waltrop. Gegründet wurde das Unternehmen 1994 in Bochum, 2001 folgte der Umzug nach Waltrop. Neben dem Kettwiesel baut der Hersteller weitere Spezialräder, darunter Tandems, Lastenräder und Therapieräder.
Brauche ich einen Führerschein für das Kettwiesel?
Nein. Die E-Versionen gelten rechtlich als Pedelec: Der Motor hat höchstens 250 Watt Nenndauerleistung, unterstützt nur, solange du trittst, und regelt spätestens bei 25 km/h ab. Damit brauchst du weder Führerschein noch Versicherungskennzeichen, eine Helmpflicht gibt es auch nicht. Einen Helm zu tragen, ist trotzdem eine gute Idee. Bei den REHA-Versionen endet die Motorunterstützung bei 12 km/h.
Zahlt die Krankenkasse das Kettwiesel?
Für die REHA-Versionen ist das möglich. Seit Januar 2026 stehen das Kettwiesel ONE REHA und das ONE UP REHA im Hilfsmittelverzeichnis nach Paragraf 139 SGB V. Ob die Kasse zahlt, hängt von deiner gesundheitlichen Situation und der ärztlichen Verordnung ab. Die normalen Versionen für Alltag und Pendeln haben keine Hilfsmittelnummer. Ohne medizinische Notwendigkeit zahlst du sie selbst.
Quellen
- Hase Bikes: Kettwiesel ONE, Fakten und Ausstattung
- Hase Bikes: Firmengeschichte
- LENZ E-Bikes: Hase Kettwiesel ONE, technische Spezifikationen
- Rohloff: Automatik-Funktionen für E-14 2.0 im Bosch Smart System
- RADfahren: Hase Bikes Kettwiesel ONE PLUS mit Bosch Motor
- Hase Bikes: Gebrauchsanweisung Kettwiesel ONE
- pedelec-elektro-fahrrad.de: Kettwiesel ONE REHA im Hilfsmittelverzeichnis
- StVO, Paragraf 5 (Überholabstand)
- Straßenverkehrsgesetz, Paragraf 1 (Pedelec-Definition)
Lust auf drei Räder?
In ausgewählten vit:bikes Stores bekommst du Hase Bikes, und wir stellen Sitz, Lenker und Federung auf dich ein. Frag im Store nach, ob ein Kettwiesel zur Probefahrt bereitsteht.
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