Fahrradkette wechseln: Anleitung Schritt für Schritt
Das Wichtigste in Kürze.
- Ablauf: Spannung raus, alte Kette öffnen, Länge bestimmen, kürzen, einfädeln, schließen
- Kette passend zur Schaltung kaufen: gleicher Hersteller, gleiche Anzahl Ritzel hinten
- Länge messen über größtes Kettenblatt und größtes Ritzel, ohne Schaltwerk, plus vier Glieder
- Fully braucht ein Kettenglied mehr als ein Hardtail, Nietstift eins mehr als Kettenschloss
- Kettenschloss ist ein Einwegteil, neue Kette kommt geschmiert und braucht kein Öl
Eine Fahrradkette wechseln dauert mit etwas Übung eine halbe Stunde, und du brauchst dafür genau drei Dinge: die passende Kette, einen Kettennieter und eine Kettenschlosszange. Der Ablauf ist immer derselbe: Spannung von der Kette nehmen, alte Kette raus, Länge der neuen bestimmen, kürzen, einfädeln, schließen. Die Stolperstellen liegen woanders, nämlich bei der richtigen Kettenlänge und bei den Innen- und Außenlaschen am Kettenende. Genau da schauen wir gleich genauer hin.
Wann muss die Fahrradkette runter?
Wenn sie gelängt ist. Eine Kette nutzt sich an den Nieten ab, wird dadurch minimal länger und greift irgendwann nicht mehr sauber in die Zähne. Messen kannst du das mit einer Kettenlehre, einem kleinen Bügel für ein paar Euro, der dir die Längung in Prozent anzeigt. Rutscht er komplett in die Kette, ist sie durch. Welche Werkzeuge sonst noch in die Grundausstattung fürs Fahrrad gehören, steht in einem eigenen Beitrag.
Als Faustregel gilt: zwei Ketten halten eine Kassette. Die Betonung liegt auf Faustregel. Wer viel im Dreck fährt oder das Nachölen vergisst, ist früher dran. Miss lieber einmal zu oft nach, das kostet zwei Sekunden.
Welche Kette passt an dein Rad?
Zwei Angaben entscheiden: der Hersteller deiner Schaltung und die Anzahl der Gänge hinten. Nimm im Zweifel die Kette vom selben Hersteller wie die Schaltgruppe, also eine Shimano Kette an der Shimano Schaltung und eine SRAM Kette an der SRAM Schaltung. Die sind auf das jeweilige System abgestimmt, damit machst du nichts falsch. Ketten von Drittanbietern gibt es in guter Qualität, da musst du halt genauer auf die Freigaben schauen. Manche modernen Systeme laufen nur mit einer speziell geformten Kette, eine normale passt dort schlicht nicht.
Die Gangzahl zählst du hinten an der Kassette ab. Elf Ritzel heißt 11fach Kette, zehn Ritzel heißt 10fach. Was vorne an Kettenblättern sitzt, spielt für die Kettenwahl keine Rolle. Und noch was zur Länge: Auf der Packung steht die Gliederzahl. Nimm im Zweifel die mittlere Länge, kürzen kannst du immer, anstückeln nicht. Bei sehr langen Rädern wie Tandems brauchst du die lange Variante.
Fürs E-Bike lohnt der Blick auf die haltbareren Ketten der Hersteller. Der Mittelmotor bringt dauerhaft mehr Drehmoment auf den Antrieb als ein Bein, und das merkt die Kette.
Das brauchst du an Werkzeug
Ein Kettennieter ist ein kleines Schraubwerkzeug, das den Nietstift aus der Kette drückt. Streng genommen nietet er gar nichts, er drückt nur, aber der Name hat sich eingebürgert. Achte beim Kauf auf die Kompatibilität: Ältere Modelle kommen mit schmalen 12fach Ketten nicht mehr klar. Nimm eines, das mindestens bis 12fach freigegeben ist, dann hast du auch in ein paar Jahren noch Ruhe.
Dazu kommen eine Kettenschlosszange, falls deine Kette ein Kettenschloss hat, eine normale Zange oder ein Seitenschneider fürs Abzwicken des Nietstifts und ein Lappen. Ein paar Einweghandschuhe schaden auch nicht, die Sauerei ist überschaubar, aber vorhanden.
Vorbereitung: Spannung von der Kette nehmen
Schalt zuerst hinten auf das kleinste Ritzel. Dort steht das Schaltwerk am weitesten außen und die Kette am lockersten, du kommst also überall ordentlich ran.
Hat dein Schaltwerk eine Kupplung (auch Clutch genannt, ein kleiner Hebel am Schaltwerkskörper, der den Käfig stramm hält und die Kette bei Schlägen ruhig hält), schalt sie jetzt ab. Der Hebel nach vorn heißt deaktiviert. Der Unterschied ist deutlich zu spüren: Mit aktiver Kupplung bekommst du den Käfig kaum bewegt, ohne geht er leicht.
Fährst du ein Fully, also ein Rad mit gefedertem Hinterbau, kommt ein Schritt dazu. Lass die Luft aus dem Dämpfer, feder den Hinterbau komplett ein und fixier ihn in dieser Stellung. Erst dann steht die Kette auf ihrer maximalen Länge, und nur die zählt für die spätere Messung.
Alte Kette öffnen und rausnehmen
Zuerst suchst du das Kettenschloss. Das ist ein Kettenglied, das anders aussieht als der Rest: Ein normales Glied hat zwei feste Nieten, das Kettenschloss auf einer Seite ein bewegliches Teil mit einem Langloch. Manche Hersteller färben es golden ein, es gibt aber auch silberne. Verlass dich also aufs Aussehen, nicht auf die Farbe. Bei einer richtig dreckigen Kette hilft es, vorher grob sauber zu wischen.
Variante 1: Schloss mit der Zange aufdrücken
Setz die Kettenschlosszange auf die beiden Nieten des Schlosses und drück sie zusammen. Es gibt einen kleinen Widerstand, dann springt das Schloss auf. Halt dabei fest. Sonst fliegt dir die Hälfte davon. Danach ziehst du die Kette auseinander und aus dem Rad.
Wichtig: Das alte Kettenschloss kommt in den Müll, nicht wieder ans Rad. Die gängigen Schlösser sind für einmaliges Schließen gebaut. Ein neues liegt der Kette normalerweise bei, wenn es auf der Packung angegeben ist.
Variante 2: vernietete Kette ausdrücken
Ältere Ketten sind durchgehend vernietet. Hier setzt du den Kettennieter an einem beliebigen Nietstift an, drückst ihn mittig auf und drehst die Spindel langsam hinein. Nach dem ersten spürbaren Ruck nicht aufhören, sondern weiterdrehen, bis der Stift hinten herausfällt. Dann Spindel zurückdrehen und die Kette auseinanderziehen. Fertig.
Jetzt die Schaltrollen sauber machen
Die Kette ist raus, das Schaltwerk frei. Besser kommst du an die beiden Schaltrollen nie wieder ran, und die sind praktisch immer zugesetzt. Nimm einen Lappen und eine Bürste und mach den Bereich einmal komplett sauber, bevor die neue Kette drauf kommt.
Der Grund ist simpel: Alter Schmutz aus dem Schaltwerk wandert sonst direkt in die frische Kette und schmirgelt dort weiter. Zwei Minuten Arbeit. Die zahlt dir die neue Kette mit Laufleistung zurück.
Die richtige Kettenlänge bestimmen
Leg die neue Kette einmal über das größte Kettenblatt vorne und das größte Ritzel hinten, und zwar ohne sie durchs Schaltwerk zu führen. Zieh beide Enden zusammen, bis die Kette straff sitzt und das Schaltwerk senkrecht nach hinten hängt. Das ist deine Nullposition.
Jetzt kommt der Zuschlag, und der ist der Punkt, an dem die meisten danebenliegen. An der Nullposition schließen heißt: Die Kette ist zu kurz, sobald du in den großen Gang schaltest. Also rechnest du dazu:
- Hardtail mit Kettenschloss: vier Glieder über die Nullposition hinaus, danach das Kettenschloss. Fünf gehen auch, vier sind das Minimum.
- Hardtail mit Nietstift: ein Glied mehr, also fünf bis sechs.
- Fully: auf beide Werte noch ein Glied drauf, weil der eingefederte Hinterbau die Kette länger zieht.
Ein Hardtail braucht also in aller Regel ein Glied weniger als ein Fully mit dem gleichen Antrieb. Ein zweiter Anhaltspunkt: Leg die alte Kette neben die neue. Das gibt die Richtung vor. Verlass dich aber nicht blind darauf, eine verschlissene Kette ist gelängt und wirkt dadurch ein bis zwei Glieder zu lang. Und es kommt vor, dass die neue Kette exakt passt und du gar nicht kürzen musst, gerade bei Rädern mit langen Kettenstreben.
Kette kürzen: auf Innen- und Außenlaschen achten
Hier entscheidet sich, ob die Kette am Ende überhaupt zusammengeht. Eine Kette wechselt sich ab: Innenlasche, Außenlasche, Innenlasche. Das Verbindungsstück muss zum Gegenstück passen.
Ein Kettenschloss besteht aus zwei Außenlaschen. Es braucht also an beiden Enden der Kette eine Innenlasche. Ein Nietstift verbindet dagegen eine Außenlasche mit einer Innenlasche, dort muss das eine Ende außen enden. Schau dir vor dem Ausdrücken an, was auf der anderen Seite steht, sonst kürzt du ein Glied zu viel oder zu wenig.
Zum Kürzen setzt du den Kettennieter am gewählten Stift an, drückst ihn durch und ziehst die Kette auseinander. Gleicher Ablauf wie beim Öffnen der alten Kette.
Neue Kette einfädeln: Laufrichtung und das S
Die meisten Ketten haben eine Laufrichtung. Erkennbar ist sie an der Beschriftung: Eine Seite trägt den Herstellernamen, die andere ist blank. Die beschriftete Seite zeigt nach außen. Verkehrt herum eingebaut kostet das Schaltpräzision. Und es nervt hörbar.
Führ die Kette vorne über das kleine Kettenblatt und leg sie erstmal lose ab. Achte darauf, dass sie innerhalb des Rahmens verläuft, also auf der richtigen Seite der Kettenstrebe. Dann einmal um die Kassette herum aufs kleinste Ritzel.
Durchs Schaltwerk läuft die Kette in einem S: von der Kassette über die obere Rolle, hinter der Rolle nach unten, um die untere Rolle herum und nach vorne raus. Im Käfig sitzt ein kleiner Steg, eine Metallbrücke zwischen den beiden Rollen. Die Kette muss davor entlanglaufen, nicht dahinter. Läuft sie falsch herum, rattert es dauerhaft und die Schaltung arbeitet nicht mehr sauber. Wie du die Gänge danach wieder feinjustierst, steht in der Anleitung zum Schaltwerk einstellen.
Kette schließen
Beim Kettenschloss steckst du je eine Hälfte in ein Kettenende und schiebst beide Enden zusammen, bis das Schloss einrastet. Achte auf die Laufrichtung, viele Schlösser tragen einen Pfeil. Eingerastet ist aber noch nicht verriegelt. Zum Verriegeln nimmst du entweder wieder die Zange, oder du nutzt den Trick mit der Kurbel: Kettenschloss in den oberen Trum drehen, Hinterrad festhalten und kräftig in die Kurbel treten. Dann rutscht das Schloss hörbar in seine Endlage. Danach beide Seiten kontrollieren.
Beim Nietstift schiebst du den Stift von Hand durch die beiden Laschen. Der vordere Teil dient nur als Führung, der hintere ist die eigentliche Niete. Dann mit dem Kettennieter langsam und mit ordentlich Druck durchdrücken. Zum Schluss den überstehenden Führungsteil mit der Zange abzwicken, meist reicht ein kurzes Drehen.
Prüf das frisch verbundene Glied danach von Hand. Es muss sich frei bewegen lassen. Ein strammes Glied heißt, du hast den Stift zu weit hineingedrückt, und das macht sich beim Schalten mit einem regelmäßigen Hüpfen bemerkbar.
Letzter Check und warum du jetzt nicht ölst
Kupplung wieder aktivieren, Hebel nach hinten. Dann einmal in Ruhe durch alle Gänge drehen und schauen, ob die Kette sauber läuft und nichts hakt.
Öl brauchst du jetzt keins. Neue Ketten kommen ab Werk mit einer Grundschmierung, die besser ist als alles, was du frisch draufkippst. Erst nach den ersten Regenfahrten wird gereinigt und dann nachgeölt oder gewachst.
Was passiert, wenn du zu lange wartest
Eine gelängte Kette frisst die Ritzel und Kettenblätter mit. Die Zähne werden hakenförmig, und dann hilft auch eine neue Kette nichts mehr, weil sie auf dem verschlissenen Profil springt. Aus einem Verschleißteil für kleines Geld wird so schnell ein kompletter Antrieb.
Das ist der ganze Grund, warum sich der Wechsel lohnt, bevor es hörbar wird. Rechtzeitig getauscht kostet dich das eine Kette. Zu spät getauscht kostet es Kassette und Kettenblätter gleich mit. Also lieber einmal mehr messen und dann in Ruhe weiterfahren.
FAQ
Kann man eine Fahrradkette selber wechseln?
Ja, mit etwas Ruhe schafft das fast jeder. Du brauchst einen Kettennieter und, wenn deine Kette ein Kettenschloss hat, eine Kettenschlosszange. Anspruchsvoll sind nur zwei Stellen: die richtige Kettenlänge und die Frage, ob dein Kettenende innen oder außen liegen muss. Beides ist erklärbar, und beides verzeiht keine Schätzung.
Wie oft muss eine Fahrradkette gewechselt werden?
Nach Verschleiß, nicht nach Kalender. Entscheidend ist die Längung der Kette, und die misst du mit einer Kettenlehre. Als Faustregel halten zwei Ketten eine Kassette. Wer viel bei Nässe fährt oder das Nachölen schleifen lässt, ist deutlich früher dran. Prüf die Kette am besten alle paar hundert Kilometer einmal kurz nach.
Wie finde ich heraus, welche Fahrradkette ich brauche?
Zwei Angaben reichen: der Hersteller deiner Schaltung und die Anzahl der Ritzel hinten. Elf Ritzel heißt 11fach Kette. Was vorne an Kettenblättern sitzt, ist für die Kettenwahl egal. Am sichersten fährst du mit der Kette des Schaltungsherstellers, weil manche Systeme nur mit ihrer eigenen Kettenform sauber funktionieren.
Wie bestimme ich die richtige Kettenlänge?
Leg die neue Kette über das größte Kettenblatt und das größte Ritzel, ohne sie durchs Schaltwerk zu führen, und zieh sie straff. Das ist die Nullposition. Dazu kommen beim Hardtail mit Kettenschloss vier bis fünf Glieder, beim Nietstift eins mehr. Ein gefederter Hinterbau braucht noch ein weiteres Glied.
Muss ich eine neue Fahrradkette ölen?
Nein. Neue Ketten kommen ab Werk mit einer Grundschmierung, die haltbarer ist als das meiste, was du frisch aufträgst. Zusätzliches Öl bindet nur Staub. Reinigen und nachölen wird erst dann Thema, wenn du ein paar Mal bei Nässe oder auf staubigen Wegen unterwegs warst.
Lieber einmal zeigen lassen?
In unserem Werkstattkurs gehen wir Kette, Kassette und Bremsbeläge gemeinsam durch, Schritt für Schritt und in deinem Tempo. Der Basic Kurs reicht für den Anfang.
Standort wird ermittelt...
Dein Standort konnte
nicht ermittelt werden.
Finde deinen Experten in deiner Nähe
Wir konnten keinen passenden Standort
in deiner Nähe finden.
Finde deinen Experten in deiner Nähe
