Skip to content
Werkstatt

Tubeless umrüsten: Vor- und Nachteile und so geht der Umbau

Kim Andresen · 16. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze.

  • Tubeless heißt ohne Schlauch: Dichtmilch im Reifen verschließt kleine Löcher während der Fahrt
  • Vorteile: weniger Gewicht außen am Laufrad, kein Snakebite am Schlauch, weniger Luftdruck für mehr Grip
  • Nachteile: höhere Kosten, fummeligere Montage, Dichtmilch muss regelmäßig erneuert werden
  • Nur mit freigegebenen Reifen und Felgen (Tubeless Ready, TLR, TR, UST), am MTB weit verbreitet, am Trekkingrad selten
  • Umbau: Felgenband kleben, Ventil setzen, Reifen mit viel Luft setzen, Milch einfüllen, verteilen
Video abspielen

Tubeless heißt: Du fährst ohne Schlauch, und eine Dichtmilch im Reifen verschließt kleine Löcher von selbst. Das spart Gewicht an der Laufradaußenseite, erlaubt weniger Luftdruck für mehr Grip und macht dich weitgehend unabhängig von kleinen Durchstichen. Dafür kostet der Umbau mehr, die Montage ist fummeliger, und die Milch muss regelmäßig erneuert werden. Ob sich das Umrüsten auf Tubeless lohnt, hängt vor allem davon ab, was du fährst. Am Mountainbike bringen Felge und Reifen die Voraussetzungen meist schon mit, am Trekkingrad scheitert es häufig schon am Reifen. Hier liest du, was dafür und dagegen spricht und wie der Umbau Schritt für Schritt funktioniert.

Wie Tubeless funktioniert

Statt eines Schlauchs bilden Reifen und Felge zusammen eine luftdichte Kammer. Damit das klappt, braucht es drei Dinge: eine Felge, deren Speichenlöcher mit einem klebenden Tubeless-Felgenband verschlossen sind, ein eigenes Tubeless-Ventil, das direkt in der Felge sitzt, und einen Reifen, dessen Wulst stramm im Felgenhorn sitzt.

Die Dichtmilch übernimmt den Rest. Sie verteilt sich beim Fahren im Reifen, dichtet die feinen Poren der Karkasse ab und reagiert auf Löcher. Sticht ein Dorn oder Stein durch, drückt der Luftdruck die Milch an die Stelle. Dort härtet sie an der Luft aus und verschließt das Loch. Oft merkst du davon nur ein kurzes Zischen und ein paar weiße Spritzer am Reifen.

Die Vorteile von Tubeless

Weniger Gewicht, wo es zählt

Ein Standardschlauch für ein 29-Zoll-Mountainbike wiegt gut 200 Gramm. Ganz verschwindet das Gewicht beim Umbau nicht, denn die Dichtmilch kommt ja hinein. Unterm Strich bleibt trotzdem meist eine Ersparnis pro Laufrad. Wichtiger als die Zahl ist der Ort: Die Masse sitzt ganz außen am Laufrad. Dort wirkt sich weniger Gewicht besonders spürbar aus, das Rad beschleunigt leichter und lenkt agiler ein.

Eingebauter Pannenschutz

Kleine Durchstiche dichtet die Milch während der Fahrt selbst ab. Ein Schlauch verliert dagegen bei jedem Loch Luft, bis du ihn flickst oder tauschst. Wer auf Wegen mit Dornen, Splitt oder Glasscherben unterwegs ist, spart sich so viele Pannenstopps.

Weniger Druck, mehr Grip

Der klassische Snakebite, bei dem der Schlauch an einer Kante zwischen Felge und Hindernis eingeklemmt und doppelt aufgeschlitzt wird, fällt weg. Durchschläge werden deutlich seltener, ein harter Durchschlag kann aber weiterhin Reifen oder Felge beschädigen, und dann hilft auch die Milch nicht. Deshalb kannst du mit weniger Luftdruck fahren, nur nicht beliebig wenig. Der Reifen schmiegt sich besser an den Untergrund, die Auflagefläche wächst und mit ihr der Grip, gerade auf Wurzeln, nassem Fels und losem Boden. Wie viel Druck für dich passt, hängt von Gewicht, Reifenbreite und Einsatz ab. Die Grundlagen dazu stehen im Beitrag Fahrradreifen aufpumpen.

Geringerer Rollwiderstand

Ein Schlauch reibt beim Abrollen innen am Reifen. Ohne Schlauch fällt diese Reibung weg, der Reifen rollt etwas leichter. Für Gelegenheitsfahrer ist der Unterschied kaum spürbar, wer ambitioniert bergauf fährt, nimmt ihn gern mit.

Die Nachteile von Tubeless

Höhere Kosten

Ein Schlauch ist günstig, schnell gewechselt, und Luft kostet nichts. Beim Umbau auf Tubeless brauchst du Dichtmilch, zwei Tubeless-Ventile, Felgenband in der passenden Breite und gegebenenfalls neue Reifen. Die Dichtmilch muss zudem regelmäßig erneuert werden. Kaufst du nur für ein Rad, reichen kleine Flaschen. Verschließ angebrochene Flaschen gut und beachte die Haltbarkeitsangabe des Herstellers.

Manche neue Mountainbikes machen es dir leichter: Felgen mit bereits geklebtem Tubeless-Band, tubelessfähige Reifen und mitgelieferte Ventile sind dort verbreitet. Montiert sind sie trotzdem oft mit Schlauch. Dann fehlt dir für den Umbau meist nur die Dichtmilch.

Aufwendigere Montage

Ohne Schlauch muss der Reifen von allein dicht in die Felge springen. Das klappt nicht mit jeder Pumpe, und beim ersten Mal braucht es Geduld. Geht dabei etwas schief, verteilt sich klebrige Milch in der Werkstatt.

Mehr Wartung

Die Milch trocknet mit der Zeit aus und verliert ihre Dichtwirkung. Je nach Produkt und Temperatur ist sie nach 2 bis 7 Monaten verbraucht. Kontrollier die Milch deshalb etwa alle drei Monate und erneuere sie spätestens nach der Angabe auf der Flasche. Vor jeder längeren Ausfahrt den Druck zu prüfen, ist bei Tubeless eine gute Gewohnheit.

Wie es aussieht, wenn sich niemand kümmert, zeigt ein Laufrad, das länger als ein Jahr ohne Service gefahren wurde: Die einst weiße Milch ist bräunlich und wässrig, an Felge und Ventil kleben ausgehärtete Reste. Das Ventil ist halb zugesetzt und lässt kaum noch Luft durch. Gefahren wäre der Reifen noch, die Pannenschutzwirkung ist dann aber weitgehend dahin.

Geht Tubeless an jedem Rad?

Nein. Felge und Reifen müssen beide ausdrücklich dafür freigegeben sein. Erkennbar ist das an Kennzeichnungen wie Tubeless Ready (TLR oder TR) oder UST auf Reifen und Felge oder auf der Herstellerseite. Ältere Reifen tragen teils noch die Bezeichnung Tubeless Easy (TLE). Am Mountainbike und Gravelbike sind tubelessfähige Felgen und Reifen heute weit verbreitet. An Trekking-, City- und vielen E-Bikes sieht es anders aus, dort sind tubelessfähige Reifen deutlich seltener.

Ein normaler Reifen ohne Freigabe hat keine Wulst, die für den Betrieb ohne Schlauch gebaut ist. Im schlimmsten Fall springt er bei voller Fahrt von der Felge. Die Regel ist deshalb eindeutig: Ohne Freigabe kein Tubeless-Umbau, und zwar für Reifen und Felge. Bei Hookless-Felgen ohne Felgenhorn gelten zusätzlich die Druckangaben des Laufradherstellers, die zum Teil deutlich unter dem zulässigen Reifendruck liegen.

Tubeless umrüsten: Schritt für Schritt

Du brauchst Tubeless-Felgenband, Tubeless-Ventile, Dichtmilch, einen Ventileinsatzschlüssel, eine Dichtmilchspritze oder Einfüllflasche, Reifenheber, saubere Lappen und eine Pumpe mit viel Volumen. Den Umgang mit Ventil und Ventileinsatz erklärt der Beitrag Fahrradventil wechseln, das Demontieren des alten Reifens die Anleitung Fahrradreifen wechseln.

Felge vorbereiten

  1. Felge gründlich reinigen. Alte Milchreste, Staub und Fett müssen runter, sonst klebt das Band nicht dauerhaft.
  2. Passendes Band wählen. Es muss so breit sein, dass es innen von Flanke zu Flanke reicht und alle Speichenlöcher abdeckt. Die Felgeninnenweite steht meist auf der Felge oder beim Hersteller.
  3. Band unter Spannung kleben. Gegenüber dem Ventilloch beginnen, dann rundherum: ein Stück ziehen, andrücken, ziehen, andrücken. Das Band darf keine Wellen oder Blasen werfen, aber auch nicht überdehnt werden.
  4. Großzügig überlappen. Das Ende läuft deutlich über den Anfang hinaus, damit die Kante sicher abgedeckt ist.

Ventil einsetzen

  1. Ventilloch vorsichtig öffnen. Mit einer dünnen, spitzen Ahle mittig durchs Band stechen, nicht mit einem dicken Schraubendreher. Das Loch nur so weit weiten, dass sich das Ventil gerade hindurchdrücken lässt. So legt sich das Band um den Schaft und dichtet mit ab.
  2. Ventileinsatz vorher herausdrehen. Dann verbiegt beim Einsetzen nichts. Vor dem Aufpumpen schraubst du ihn wieder ein, sonst hält der Reifen keinen Druck.
  3. Ventil einsetzen, mit dem Gummifuß nach innen zur Felge.
  4. Rändelmutter fest anziehen. Anders als beim Schlauchventil darf sie hier ordentlich sitzen. Handfest reicht aber, Zange und Gewalt sind tabu.

Reifen montieren und setzen

  1. Reifen ohne Milch aufziehen. Auf die Laufrichtung achten. Montagefluid oder Seifenwasser auf beiden Wülsten hilft, damit der Reifen gleichmäßig in die Felge springt.
  2. Schnell viel Luft hineingeben. Der Reifen muss mit einem Schwall Luft in die Felgenhörner springen. Eine kräftige Standpumpe schafft das oft, ein Kompressor zuverlässig. Gegen Widerspenstige hilft ein Tubeless-Booster, ein Luftvorratsbehälter, den du vorher aufpumpst und dessen Inhalt auf einmal in den Reifen schießt. Mit einer kleinen Minipumpe klappt es dagegen selten.
  3. Sitz kontrollieren. Das typische Ploppen ist normal. Die Linie oberhalb der Felge muss rundum gleichmäßig sichtbar sein, und zwar auf beiden Seiten. Schaut sie irgendwo nicht heraus, Luft ablassen, nachhelfen, erneut pumpen. Den Maximaldruck von Reifen und Felge dabei nie überschreiten.

Diese Reihenfolge, erst ohne Milch setzen und dann einfüllen, hat einen Vorteil: Der Reifen sitzt schon in der Felge, und du füllst die Milch sauber durchs Ventil. Alternativ kannst du die Milch vor dem Aufziehen des letzten Wulststücks direkt in den Reifen gießen. Beides funktioniert.

Dichtmilch einfüllen

  1. Luft vorsichtig ablassen, ohne den Reifen zu belasten. So bleibt er in der Felge sitzen.
  2. Ventileinsatz herausdrehen.
  3. Milch schütteln und einfüllen. Kräftig schütteln, dann per Spritze oder Flasche durchs Ventil. Die Menge steht beim Hersteller der Milch. Als Orientierung: am Rennrad 50 bis 60 ml, am Gravelbike 60 bis 90 ml, am Mountainbike 90 bis 120 ml, bei Plus- und Fatbike-Reifen mehr. Wer selten Pannen hat, kommt mit dem unteren Wert aus. Wer oft auf ruppigen Wegen unterwegs ist, nimmt den oberen.
  4. Ventil nach oben drehen, reinigen, Einsatz wieder einsetzen und auf Fahrdruck plus etwas Reserve aufpumpen. So läuft keine Milch ins Ventil.

Verteilen und dicht prüfen

Jetzt muss die Milch überall hin. Laufrad schütteln, kippen und ein paar Mal waagerecht drehen, dann einbauen und einige Minuten drehen lassen oder eine kurze Runde fahren. Danach das Rad eine halbe Stunde liegen lassen und kontrollieren: Tritt an der Felgenflanke oder an den Speichennippeln Milch aus? An den Nippeln deutet das auf ein undichtes Felgenband oder eine undichte Stelle am Ventil hin. Ganz dicht ist das System erst, wenn die Milch die Karkasse überall benetzt hat. Fahr deshalb bald eine erste Runde und prüf den Druck nach 24 Stunden noch einmal. Zum Schluss Ventilkappe drauf, sie hält Schmutz vom Ventil fern.

Dichtmilch erneuern und Ventil pflegen

Zum Erneuern der Milch lässt du zuerst die Luft komplett ab. Bleibt Restdruck im Reifen, kann die Milch beim Abhebeln herausspritzen. Dann eine Wulst abnehmen, alte Milch und ausgehärtete Reste mit einem saugfähigen Tuch entfernen und Reifen sowie Felge innen gründlich reinigen. Ist das Felgenband beschädigt, ersetzt du es komplett, statt es zu flicken. Jede Kante ist eine mögliche undichte Stelle.

Lässt sich der Reifen kaum noch aufpumpen oder bleibt der Ventilstift hängen, ist meist der Ventileinsatz verklebt. Herausdrehen, reinigen oder einfach tauschen. Für unterwegs gilt: Ein Ersatzschlauch gehört trotzdem ins Gepäck. Reißt der Reifen so weit auf, dass die Milch nicht mehr abdichtet, ziehst du das Tubeless-Ventil heraus, wischst die Milch aus, entfernst Fremdkörper aus dem Reifen und legst den Schlauch ein. Einen größeren Schnitt hinterlegst du vorher innen mit einem Reifenflicken, sonst drückt sich der Schlauch durch den Riss.

Tubeless lohnt sich vor allem für alle, die viel im Gelände oder auf ruppigen Wegen unterwegs sind und gern selbst schrauben. Wer überwiegend auf Asphalt pendelt und selten einen Platten hat, ist mit Schlauch und gutem Pannenschutzreifen weiterhin entspannt unterwegs.

FAQ

Was ist besser, Tubeless oder Schlauch?

Das hängt vom Einsatz ab. Im Gelände und auf ruppigen Wegen ist Tubeless meist im Vorteil: weniger Pannen durch kleine Durchstiche, kein Snakebite am Schlauch, weniger Luftdruck und damit mehr Grip. Wer überwiegend auf Asphalt pendelt und selten einen Platten hat, fährt mit Schlauch günstiger und mit weniger Wartung. Tubeless setzt außerdem voraus, dass Reifen und Felge dafür freigegeben sind.

Welche Nachteile haben Tubeless-Reifen?

Der Umbau kostet mehr als ein Schlauch, weil Dichtmilch, Tubeless-Ventile, Felgenband und eventuell neue Reifen nötig sind. Die Montage ist aufwendiger, denn der Reifen muss ohne Schlauch dicht in die Felge springen, manchmal nur mit Kompressor oder Booster. Dazu kommt Wartung: Die Dichtmilch trocknet aus und muss regelmäßig erneuert werden.

Wie oft muss man Tubeless-Dichtmilch nachfüllen?

Je nach Produkt und Temperatur ist die Milch nach 2 bis 7 Monaten verbraucht. Kontrollier sie deshalb etwa alle drei Monate und erneuere sie spätestens nach der Angabe auf der Flasche. Bei Hitze und vielen Fahrten geht es schneller. Ein einfacher Test: Laufrad ausbauen, kräftig schütteln und hinhören. Plätschert nichts mehr, ist es Zeit für frische Milch. Plätschern allein beweist aber nichts, alte Milch trennt sich in Klumpen und Flüssigkeit. Sicher bist du erst mit einem Blick unter die Wulst.

Kann man Tubeless-Reifen ohne Dichtmilch fahren?

In der Regel nicht. Die meisten Tubeless-Ready-Reifen sind erst mit Dichtmilch luftdicht, weil die Milch die feinen Poren der Karkasse und den Spalt an der Felge verschließt. Ohne Milch verlieren sie schnell Luft, und der Pannenschutz fehlt komplett. Ausnahmen sind spezielle Reifen, die schon ohne Milch dicht sind. Auch dort empfehlen die Hersteller Dichtmilch für den Pannenschutz.

Kann man von Tubeless wieder auf Schlauch wechseln?

Ja, jederzeit. Luft ablassen, Reifen abnehmen, Dichtmilch und Reste entfernen und das Tubeless-Ventil herausziehen. Danach legst du einen passenden Schlauch ein und montierst den Reifen wie gewohnt. Das Tubeless-Band kann in der Felge bleiben, es stört den Schlauch nicht. Genau deshalb gehört auch bei Tubeless ein Ersatzschlauch ins Gepäck, falls ein Loch zu groß für die Milch ist.

Quellen

  1. bike-components: Bist Du dicht? Umrüsten auf Tubeless
  2. MTB-News: Mountainbike-Reifen tubeless umrüsten
  3. Schwalbe: Technik-FAQ Tubeless
  4. Schwalbe: Fahrrad-Reifentypen
  5. Stan's: How Much Sealant Should I Add
Kim Andresen
Über den Autor
Kim Andresen
Zweiradmechaniker-Meister, Dozent vit:bikes Akademie

Zweiradmechaniker-Meister und Dozent bei der vit:bikes Akademie. Leidenschaftlicher Mechaniker seit jeher — bringt seine Expertise heute auf YouTube, in den Werkstattkursen und in der Akademie an andere weiter.

Umbau lieber nicht selbst machen?

In der vit:bikes Werkstatt prüfen wir, ob Reifen und Felge tubelessfähig sind, rüsten dein Laufrad sauber um und erneuern die Dichtmilch beim nächsten Service gleich mit.

Standort wird ermittelt...