Reifendruck am Fahrrad: so findest du den richtigen Luftdruck
Das Wichtigste in Kürze.
- Der richtige Reifendruck liegt innerhalb der Spanne auf der Reifenflanke, den Maximaldruck von Reifen oder Felge überschreitest du nie
- Mehr Druck bei viel Gewicht und Asphalt, weniger auf Schotter, im Gelände und für mehr Komfort
- Zu wenig Luft führt zu Durchschlag, Felgenschäden und Snakebite, zu viel kostet Grip und Komfort
- Kälte senkt den Druck: 4 bar bei 20 Grad werden bei minus 4 Grad zu rund 3,6 bar
- Druck am besten wöchentlich prüfen, Schläuche verlieren auch ohne Loch Luft
Der richtige Reifendruck am Fahrrad liegt innerhalb der Spanne, die auf deiner Reifenflanke steht, und innerhalb dieser Spanne bestimmen Gewicht, Untergrund und Komfortwunsch, wo genau. Auf Asphalt und mit schwerem E-Bike fährst du eher im oberen Bereich, auf Schotter und im Gelände eher im unteren. Unter den Mindestdruck solltest du nicht gehen, über den Maximaldruck nie. Und weil jeder Reifen mit der Zeit Luft verliert und Kälte den Druck zusätzlich senkt, reicht einmal im Jahr prüfen bei Weitem nicht. Hier liest du, wie du die Angaben auf dem Reifen liest, welche Richtwerte gelten und was zu viel oder zu wenig Luft anrichtet.
Die Druckangabe auf der Reifenflanke lesen
Auf der Seite praktisch jedes Fahrradreifens steht, in welchem Bereich er funktioniert. Manchmal groß und weiß, oft klein und schwarz ins Gummi geprägt. Ist der Reifen verdreckt, hilft ein Lappen. Typisch findest du dort drei Angaben, manche Hersteller drucken statt einer Spanne nur den Maximaldruck auf:
- Die ETRTO-Größe, zum Beispiel 62-622. Die erste Zahl ist die Reifenbreite in Millimetern, die zweite der Innendurchmesser des Reifens, also der Durchmesser am Reifensitz der Felge. 622 entspricht 28 beziehungsweise 29 Zoll.
- Die Zollangabe, zum Beispiel 29 x 2.40, oder bei schmaleren Reifen die französische Angabe wie 700 x 35C.
- Die Druckspanne, zum Beispiel 1,6 bis 3,5 bar oder 23 bis 50 psi. Psi ist die amerikanische Einheit, 1 bar entspricht etwa 14,5 psi.
Achte zusätzlich auf die Felge: Hat sie einen eigenen, niedrigeren Maximaldruck, gilt dieser. Felgen ohne Felgenhorn, sogenannte Hookless-Felgen, sind nach ETRTO-Norm auf höchstens 5 bar begrenzt, auch wenn auf dem Reifen mehr steht. Die Spanne selbst fällt je nach Reifen sehr unterschiedlich aus. Ein breiter Mountainbike-Reifen kommt mit 1,6 bar aus, ein Tourenreifen mit Pannenschutzeinlage verlangt oft 4 bis 6 bar. Der Mindestdruck hängt vor allem von der Breite ab: Je schmaler der Reifen und je höher die Last, desto mehr Druck braucht er. Bei Reifen mit dicker Pannenschutzeinlage täuscht außerdem die Daumenprobe, dort prüfst du mit dem Manometer. Wie du den Reifen dann tatsächlich befüllst, steht im Beitrag Fahrradreifen aufpumpen.
Richtwerte für den Reifendruck nach Fahrradtyp
Michelin nennt in seinem Reifendruck-Ratgeber für die eigenen Reifen folgende Orientierungswerte. Der untere Wert gilt für leichte Fahrer unter 50 kg, der obere für Fahrer über 100 kg: Je schwerer du bist, desto weiter oben liegt dein Startwert. Reifen anderer Hersteller verlangen teils deutlich andere Drücke, verbindlich bleibt die Spanne auf deinem Reifen.
| Fahrradtyp | Reifenbreite | Richtwert |
|---|---|---|
| Rennrad | 23 bis 25 mm | 6,8 bis 8,0 bar |
| City und Trekking | 28 bis 47 mm | 2,3 bis 4,0 bar |
| Gravel und Cyclocross | 33 bis 47 mm | 1,8 bis 4,0 bar |
| Mountainbike Cross-Country | 2,1 bis 2,35 Zoll | 1,8 bis 2,1 bar |
| Mountainbike Enduro | 2,4 bis 2,8 Zoll | 1,5 bis 2,1 bar |
Am Rennrad hat sich in den letzten Jahren einiges verschoben. Mit breiteren Reifen fahren viele heute spürbar weniger Druck als früher, ohne langsamer zu werden. Hinten trägt der Reifen mehr Gewicht als vorn, deshalb pumpen viele das Hinterrad etwas stärker auf.
Was den richtigen Druck für dich bestimmt
Gewicht
Je mehr auf dem Reifen lastet, desto mehr Luft braucht er. Ein E-Bike mit Motor und Akku, dazu Fahrer und Gepäck, gehört eher in den oberen Teil der Spanne. Zu wenig Luft kostet am E-Bike außerdem Reichweite, mehr dazu in den Tipps zur E-Bike-Reichweite.
Untergrund
Auf der Straße darf der Reifen prall sein. Er liegt dann vor allem auf der Lauffläche auf, rollt leicht und nutzt sich langsamer ab. In Kurven wandert der Kontakt auf die Seitenstollen. Eine Federgabel nimmt dem Vorderrad einen Teil der Stöße ab. Das Hinterrad ist an den meisten Alltagsrädern ungefedert, und vor Durchschlägen schützt an beiden Rädern nur der Luftdruck. Wie hoch du gehst, hängt stark von der Breite ab: Bei einem 37 mm breiten Tourenreifen liegt der Mindestdruck oft schon bei 4 bar, bei 47 mm eher bei 3 bar. Verbindlich ist die Angabe auf deinem Reifen.
Auf Schotter und Waldwegen hilft etwas weniger Druck. Der Reifen verformt sich stärker, legt mehr Profil auf den Boden und findet mehr Halt. Für 47 mm breite City- und Trekkingreifen nennt Michelin je nach Fahrergewicht 2,3 bis 3,5 bar, auf losem Untergrund wählst du innerhalb der Spanne eher den unteren Teil.
Am Mountainbike gilt das Prinzip noch stärker: Der Reifen soll in jeder Lage Grip liefern, beim Geradeausfahren, in Kurven und über Wurzeln und Steine. Dafür muss er sich anschmiegen können, also eher wenig Druck, solange er nicht durchschlägt.
Komfort
Fährst du ein Rad ohne Federgabel, ist der Reifen deine einzige Federung. Dann lohnt es sich, Richtung Mindestdruck zu gehen. Taste dich in kleinen Schritten heran, miss nach jedem Schritt mit dem Manometer nach und schau, ob der Mindestdruck nicht schon reicht. Gleich ein ganzes Bar abzulassen und abzuwarten, was passiert, endet oft mit dem Problem aus dem nächsten Abschnitt.
Zu wenig Luft: Durchschlag und Snakebite
Fährst du mit zu wenig Druck gegen eine Kante, etwa einen Bordstein beim Hochfahren, drückt die kleine Kontaktfläche den Reifen komplett zusammen. Die Kante trifft dann direkt auf die Felge. Das ist ein Durchschlag. Der punktuelle Schlag kann die Felge verbeulen oder das Laufrad anderweitig beschädigen. Rollst du dauerhaft mit zu wenig Luft, verformt sich der Reifen bei jeder Umdrehung übermäßig: Die Seitenwand bekommt Ermüdungsrisse, und jeder Bordstein wird zum Risiko für die Felge.
Fährst du mit Schlauch, entsteht dabei oft ein Snakebite. Der Schlauch wird zwischen Hindernis und Felge eingeklemmt und bekommt zwei kleine, parallele Schlitze, die aussehen wie ein Schlangenbiss. Im Zweifel gilt deshalb: lieber etwas zu viel Luft als zu wenig.
Zu viel Luft: schnell, aber unruhig
Am oberen Ende der Spanne rollt das Rad leicht und fühlt sich spritzig an. Dafür sinken Komfort und Grip, gerade auf unebenem oder nassem Untergrund. Mehr Verschleiß musst du dabei nicht fürchten, der Abrieb sinkt mit steigendem Druck. Dauerhaft zu wenig Luft lässt den Reifen dagegen links und rechts der Mitte schneller abfahren und führt zu Rissen in der Seitenwand. Über den Maximaldruck auf der Flanke gehst du nie, sonst riskierst du, dass der Reifen von der Felge springt oder der Schlauch platzt.
Temperatur verändert den Reifendruck
Luft zieht sich bei Kälte zusammen und dehnt sich bei Wärme aus. Ein Beispiel: Pumpst du deinen Reifen im 20 Grad warmen Keller auf 4 bar und stellst das Rad über Nacht bei minus 4 Grad nach draußen, hat der Reifen am Morgen nur noch rund 3,6 bar. Hast du im Warmen nur den Mindestdruck eingefüllt, fährst du draußen also darunter.
Daraus folgen zwei einfache Regeln:
- Im Winter den Reifen dort aufpumpen, wo du fährst, also draußen. Oder im Warmen bewusst etwas über den Mindestdruck gehen.
- Im Sommer umgekehrt aufpassen. Ein schwarzer Reifen in der prallen Sonne wird deutlich wärmer als die Luft. Wer im kühlen Keller schon den Maximaldruck einfüllt, liegt in der Hitze darüber: Erwärmt sich der Reifen von 15 auf 60 Grad, steigen 6 bar auf rund 7,1 bar. Lass im Sommer deshalb etwas Abstand zum Maximaldruck.
Durchs Rollen selbst erwärmt sich ein Fahrradreifen dagegen kaum, er wird ständig vom Fahrtwind gekühlt. Anders bei Felgenbremsen: Auf langen Abfahrten kann Dauerbremsen die Felge auf über 80 Grad aufheizen, und das erwärmt auch Felgenband, Schlauch und die Luft im Reifen.
Wie oft du den Reifendruck prüfen solltest
Am besten einmal pro Woche, spätestens einmal im Monat. Jeder Schlauch verliert mit der Zeit Luft, auch ohne Loch. Ältere Schläuche und leicht undichte Ventile verstärken das. Wer im Frühjahr pumpt und erst im Herbst wieder nachschaut, fährt den größten Teil der Saison mit zu wenig Druck.
Das Manometer an einer aktuellen Standpumpe ist für die Kontrolle genau genug. Noch schneller geht es mit einem digitalen Reifendruckprüfer: Ventilkappe ab, beim Sclaverandventil zusätzlich die kleine Rändelmutter aufdrehen, Prüfer aufsetzen, Wert ablesen. Am klassischen Dunlopventil lässt sich der Druck nicht messen. Verliert ein Reifen auffällig schnell Luft, lohnt ein Blick aufs Ventil, Tipps dazu stehen im Beitrag Fahrradventil wechseln.
Der Luftdruck ist die einfachste Stellschraube am ganzen Rad: zwei Minuten mit der Standpumpe, und das Fahren wird leichter, sicherer und angenehmer.
FAQ
Wie viel bar kommen auf einen 28-Zoll-Fahrradreifen?
Das hängt von der Reifenbreite ab, nicht vom Durchmesser. Ein schmaler 28-Zoll-Rennradreifen braucht deutlich mehr Druck als ein breiter Trekkingreifen gleicher Größe. Für City- und Trekkingreifen zwischen 28 und 47 mm nennt Michelin etwa 2,3 bis 4,0 bar. Verbindlich ist die Spanne auf der Reifenflanke, innerhalb davon richtest du dich nach Gewicht und Untergrund.
Ist 3 bar Reifendruck am Fahrrad zu viel?
Für breite City-, Trekking- und E-Bike-Reifen ab etwa 47 mm sind 3 bar ein üblicher Wert. Bei schmaleren Tourenreifen liegen 3 bar dagegen oft schon unter dem Mindestdruck, ein 37 mm breiter Reifen verlangt häufig mindestens 4 bar. Für einen breiten Mountainbike-Reifen kann 3 bar dagegen schon zu viel sein, weil Grip und Komfort leiden. Entscheidend ist die Druckspanne auf deiner Reifenflanke. Liegen 3 bar darin, ist der Wert erlaubt, die Feinabstimmung hängt von Gewicht und Untergrund ab.
Ist der Reifendruck lieber zu hoch oder zu niedrig?
Im Zweifel lieber etwas zu hoch, aber nie über dem Maximaldruck. Zu wenig Luft ist der häufigere und teurere Fehler: Der Reifen kann durchschlagen, die Felge beschädigen und bei Schlauchreifen einen Snakebite verursachen. Zu viel Luft kostet vor allem Komfort und Grip. Innerhalb der Spanne richtest du dich nach Gewicht und Untergrund.
Wie viel bar Reifendruck braucht ein E-Bike?
Ein E-Bike braucht wegen Motor und Akku eher Druck aus dem oberen Teil der Spanne, die auf dem Reifen steht. Für City- und Trekkingreifen nennt Michelin je nach Breite und Fahrergewicht 2,3 bis 4,0 bar, für E-Mountainbike-Reifen 1,5 bis 2,1 bar. Zu wenig Luft kostet am E-Bike außerdem Reichweite. Prüf den Druck regelmäßig, denn bei hohem Systemgewicht schlägt ein zu weicher Reifen schneller durch.
Wie oft sollte man den Reifendruck am Fahrrad prüfen?
Am besten einmal pro Woche, spätestens einmal im Monat. Jeder Schlauch verliert mit der Zeit Luft, auch ohne Loch, und bei Kälte sinkt der Druck zusätzlich. Wer nur einmal pro Saison pumpt, fährt den größten Teil der Zeit mit zu wenig Druck. Das Manometer einer Standpumpe reicht für die Kontrolle, schneller geht es mit einem digitalen Reifendruckprüfer.
Quellen
Reifen verliert ständig Luft?
Bring dein Rad in die vit:bikes Werkstatt. Wir prüfen Schlauch, Ventil und Felgenband und stellen den Luftdruck passend zu dir und deinem Rad ein.
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